Thomas W. Salzmann
kreativ gesehen 2 - Was machen Motivprogramme?
Von Thomas W. Salzmann am 19.Nov. 2010

Ob kleine Kompakte oder "Amateur"-DSLR, digitale Kameras bieten heute fast immer so genannte Motivprogramme. Die Palette reicht von Landschaft, Sport und Portrait bis zu Nachtportrait oder Haustier. Nachdem wir ersten Teil von "kreativ gesehen" die grundlegenden Elemente der Kamera als Gestaltungsmittel gesehen haben, schauen wir heute mal nach wie Kreativ-/Motiv-Programme diese einsetzen. Und vor allem wie der Fotograf sie "Zweck entfremden" kann.
Die Grundlage: Programm-Automatik (P)
Mit Einzug der Micro-Elektronik in die Fotografie, weit bevor sie digital wurde, gesellte sich zu den Zeit- und Belndenautomatiken die Programm-Automatik. Sie misst das Licht und ordnet dem gemessenen Wert eine Verschlußzeit und eine Blende zu, die eine "optimale" Belichtung ergeben sollten. Ob und wieviel Schärfentiefe der Fotograf oder das Motiv braucht ist der Automatik genauso egal wie die Geschwindigkeit mit der sich ein Motiv bewegt. Die Kamera weiß ja nicht was sie fotografiert. Also lag es nah neue Programme zu entwickeln, die diesen Mangel ausgleichen.
Landschaftsprogramm (Symbol BERGE) = Schärfentiefe
Das Gras grüner, der Himmel blauer - wäre technisch natürlich möglich. In erster Linie sorgt diese Automatik jedoch für eine große Schärfentiefe. Klar, passt auch zur Landschaft, vom Baum im Vordergrund bis zum Horizont soll es scharf sein. Das geschieht - auch klar - durch eine möglichst weit geschlossene Blende. Klassisch natürlich mit einem Weitwinkel-Objektiv.
Warum nicht auch mal das Landschaftsprogramm mit einem Tele-Objektiv probieren. Da die Verschlußzeiten natürlich länger werden, je weiter die Blende geschlossen wird, muß schon genug Licht da sein. Durch die größere Schärfentiefe beim Tele, gewinnt man Spielraum für (mäßig) bewegte Objekte. Natürlich braucht es dann auch eine kurze Verschlußzeit, die mit einer höheren ISO Einstellung erreicht wird.
Portraitprogramm (Symbol KOPF) = mäßige Schärfentiefe
Dieses Programm soll ein Format füllendes Portrait scharf und den Hintergrund unscharf machen. Deshalb wird eine Blende nicht größer als 8 oder 5,6 bevorzugt. Am besten funktioniert das bei mittleren Brennweiten (50-100mm, bei Spiegelreflex-Kameras)
Natürlich kann man so nicht nur Personen vom Hintergrund lösen, sondern auch alles mögliche andere ;-)
Sportprogramm (Symbol LÄUFER) = schnelle Verschlußzeit und meist wenig Schärfentiefe
Es muß kein Sportler sein, auch Kinder und Hunde bewegen sich schnell. Das Programm wählt eine möglichst kurze, dem Objektiv angemessene Verschlußzeit. Was natürlich zu einer weiter geöffneten Blende und damit zu weniger Schärfentiefe führt. Häufig wird der Autofokus noch zusätzlich auf "Continuous-AF" gestellt. Der AF führt die Schärfe also ständig nach, so lange der Auslöser halb gedrückt wird.
Kinder, Hunde, Tänzer, Theater - all' das habe ich schon mit diesem Modus eingefangen. Es war sozusagen das "schnelle Notprogramm" wenn eine ruhige Szene plötzlich belebt wurde. Ein Dreh am Einstellknopf genügte. Und natürlich auch dann wenn wenig Schärfentiefe gebraucht wird.
Ja, man kann das auch alles im manuellen Modus oder mit Zeit- bzw. Blendenautomatik lösen. Die Motivprogramme sind manchmal aber schneller und leichter eingestellt. Und für Anfänger allemal eine gute Lösung.
Beim nächsten mal gibt es auch wieder Bilder - versprochen ;-)
In "kreativ gesehen" werden in lockerer Folge praktische Beiträge rund um die Fotografie erscheinen. Im ersten Teil geht es um ein anderes Verständnis der Kamera. Die drei grundlegenden Elemente verstehe ich als Gestaltungsmittel. Das hilft beim Fotografieren die richtige Einstellung zu finden.
Diese Serie wurde 2010 im Blog von photog.de, so hieß salzmann-photo einmal, begonnen und wird hier in leicht überarbeiteter Form wieder zum Leben erweckt.