kreativ gesehen 6 - Den Tag zur Nacht machen

Von Thomas W. Salzmann am 26.04.2011


Eine perfekt belichtete Nachtaufnahme. Der Mond hinter den Bäumen zeigt Struktur, das Logo ist nicht überbelichtet. Doch der schöne Schein trügt. Der Versuch die Szene so zu fotografieren, wie sie das Auge wahrnimmt, war zum Scheitern verurteilt. War das Logo richtig belichtet, dann war alles andere nur schwarz. Und auch der Mond wollte einfach nicht an der richtigen Stelle scheinen. Hier mußte ordentlich in die Trickkiste gegriffen werden.


Das Ausgangsbild entstand bei Sonnenschein im November.









In einem Bildbearbeitungsprogramm wurde zunächst die Belichtung korrigiert und das Bild unterbelichtet. Aber nur soweit, dass die Strukturen der Wand und der Bäume erhalten blieben. dafür eignet sich am besten die "Tonwertkorrektur", mit der einfachen Änderung der Helligkeit geht es auch.




Im nächsten Schritt wurde eine neue Ebene eingefügt und das Logo schwarz abgedeckt (Pinsel-Werkzeug), da es beleuchtet ja ganz anders aussieht. Ausserdem wurde mit einem Pinsel-Werkzeug ein weicher weißer Fleck in die Bäume gesetzt. Dort sollte später der Mond scheinen. der Fleck immitiert den Hof des Mondes. Auch der Fleck ist in einer eigenen Ebene, wie alle nachfolgenden Schritte auch.


Da es gerade eine Vollmondnacht gab wurde der Mond seperat, bequem von meinem Wohnzimmerfenster aus fotografiert. Er wurde dann ausgeschnitten und verkleinert in das Bild gesetzt.






Natürlich scheint der Mond hinter den Bäumen. Also wurden auch die Äste aus dem Originalbild nochmals ausgeschnitten, was eine ziemlich fummelige Angelegenheit ist, und über den Mond in eine neue Ebene gelegt.





Über die ganze Szene wurde nun eine neue Ebene gelegt und diese komplett blau eingefärbt. Dann war natürlich nur noch blau zu sehen, aber Einstellung des Ebenenmodus auf "Überlagern" brachte das Bild wieder zum Vorschein, nur halt in blau. Die Transparenz der Ebene wurde dann noch etwas verändert, bei 75% gefiel das Ergebnis.


Jetzt fehlte nur noch das beleuchtete Logo, das im Dunkeln frontal fotografiert wurde. Ausgeschnitten und in unser Bild in eine neue Ebene eingefügt. Natürlich passte es nicht, denn es sollte ja schräg sein. Mit dem Werkzeug für "perspektivisches Verzerren" wurde es in die richtige Form und Größe gebracht.



Den kleinen Schönheitsfehler, dass der Mond nie im Norden scheint hat nur meine Tochter bemerkt.


 

In "kreativ gesehen" werden in lockerer Folge praktische Beiträge rund um die Fotografie erscheinen. Im ersten Teil geht es um ein anderes Verständnis der Kamera. Die drei grundlegenden Elemente verstehe ich als Gestaltungsmittel. Das hilft beim Fotografieren die richtige Einstellung zu finden.



Diese Serie wurde ab 2010 im Blog von photog.de, so hieß salzmann-photo einmal, begonnen und wird hier in leicht überarbeiteter Form wieder zum Leben erweckt.



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